Konzeption der Kinderakademie Mannheim
Grundlagen
Die Konzeption der Kinderakademie Mannheim (KIAK MA) gründet auf dem Verfassungsgebot des Landes Baden-Württemberg,
dass alle Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten einen Anspruch auf Förderung haben und durch die Schule aber auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefordert werden sollen. (Art. 11 LV BW). Dies gilt
auch für hoch begabte Schülerinnen und Schüler.
Indem sich die KIAK MA dieser Aufgabe stellt, erfüllt sie nicht nur den verfassungsmäßigen Auftrag, sondern sorgt durch ihr spezielles Aufnahmeverfahren auch für die Chancengleichheit hoch begabter
Kinder, die aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Nationalität und ethnischer Zugehörigkeit.
Hochbegabung bei Kindern
definiert sich durch einen kognitiven Entwicklungsvorsprung von mindestens zwei Jahren. Daher erleben sich viele hoch begabte Kinder als andersartig im Vergleich zu Gleichaltrigen. Sie geraten leicht
in einen Konflikt zwischen ihrem Entfaltungsbedürfnis und dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Konformität. Ein solches Dilemma kann für diese Kinder eine große emotionale Belastung darstellen. Vor
diesem Hintergrund bietet die KIAK MA den hoch begabten Kindern individuelle Lern- und Entfaltungsmöglichkeiten, ohne dass sie befürchten müssen, sich sozial zu isolieren. Die Angebote der KIAK
fördern die Entwicklung sozialer Kompetenzen, ohne unter dem Stigma begabungsmäßigen Andersseins zu stehen. Sie ermöglichen das Erkennen der eigenen Grenzen und führen dadurch zu einer realistischen
Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und relativen Stärken und Schwächen. Durch das Lernen in einem den Voraussetzungen der Kinder angemessenen Lerntempo wird die Motivation und die Freude am Lernen
gestärkt.
Ziele der KIAK MA
Ziel der KIAK MA ist die qualifizierte Förderung intellektuell hoch begabter Kinder aus dem Grundschulbereich.
Im Besonderen geht es der KIAK MA um die
· 1. Förderung des Strebens nach Wissen u. Selbstständigkeit
· 2. Förderung von interdisziplinärem Denken und Kreativität
· 3. Förderung der Teamfähigkeit
· 4. Förderung des Bewusstseins der sozialen Verpflichtung
Was sind hoch begabte Kinder?
Dem derzeitigen Forschungsstand entsprechend lassen sich fünf Begabungsbereiche unterscheiden, die wiederum verschiedene Fähigkeitsdimensionen enthalten können:
· 1. Intellektuelle Begabung (= Intelligenz)
· 2. Soziale Begabung (interpersonale Kompetenz)
· 3. Musische Begabung (= Musikalität)
· 4. Bildnerisch-darstellende Begabung
· 5. Psychomotorische (praktische) Begabung
Das Angebot der KIAK MA richtet sich an intellektuell hoch begabte Grundschulkinder. Unter intellektueller
Hochbegabung wird eine Ausprägung der allgemeinen Intelligenz von IQ > 130 verstanden, gemessen durch geeignete wissenschaftliche Verfahren wie HAWIK III oder AID2, wobei jeweils verschiedene
Intelligenzfaktoren (z.B. verbale, räumlich-abstrakte, mathematische) in unterschiedlichem Ausmaß verfügbar sein können.
Auswahlverfahren
Die KIAK MA ist ein Angebot für intellektuell hoch begabte Grundschulkinder. Dies bedeutet, dass im Regelfall nur Kinder aufgenommen werden können, die in einem geeigneten Intelligenztest (HAWIK III, AID2) einen IQ > 130 erreicht haben.
Für die KIAK MA gilt folgendes Aufnahmeverfahren:
Die Klassenlehrer und -lehrerinnen der ersten Klassen der Mannheimer Grundschulen melden bis zu den Osterferien der Geschäftsführung der KIAK die Kinder, die ihrer Ansicht nach hoch begabt sein
könnten.
Die gemeldeten Kinder werden nach Rücksprache mit deren Eltern einer fachpsychologischen Überprüfung (HAWIK III bzw. AID2) unterzogen. Kinder mit IQ > 130 erhalten das Angebot zur Teilnahme an der
KIAK MA.
Grundschulkinder, deren Hochbegabung bereits fachpsychologisch gutachterlich attestiert ist, erhalten auf Antrag
ebenfalls ein Angebot der KIAK MA.
Angebote
Die KIAK MA bietet den intellektuell hoch begabten Grundschulkindern ergänzend zum Regelunterricht
Arbeitsgemeinschaften an, die sowohl inhaltlich als auch methodisch speziell für diese Zielgruppe konzipiert sind.
Diese Arbeitsgemeinschaften finden wöchentlich, vorrangig in den Räumen der KIAK MA an der Johann-Peter-Hebel-Grundschule, statt. Sie decken inhaltlich den geisteswissenschaftlichen, den
naturwissenschaftlichen und den kulturwissenschaftlichen Bereich ab.
Um eine intensive Förderung zu gewährleisten, ist die Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen pro Arbeitsgemeinschaft in der Regel auf acht begrenzt. Jedes Mitglied der KIAK MA kann sich für die
Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft entscheiden.
Ergänzend zu den Arbeitsgemeinschaften wird ein Rahmenprogramm angeboten, dessen Veranstaltungen sich ebenfalls durch ein speziell auf intellektuell hoch begabte Grundschüler zugeschnittenes
Anspruchsniveau auszeichnen.
Indem sie ein Forum der Begegnung mit der Möglichkeit des Erfahrungsaustausches anbieten, leisten gerade die
Veranstaltungen des Rahmenprogramms über ihre jeweilige kognitiv-inhaltliche Dimension hinaus einen weiteren wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der hoch begabten Kinder. Der Umgang mit
ähnlich Begabten fördert die soziale Kompetenz und wirkt sich somit günstig auf das Sozialverhalten der hoch begabten Kinder aus.
Zur Konzeption der Angebote
Die didaktische und methodische Konzeption der Arbeitsgruppen und der Veranstaltungen des Rahmenprogramms ist
ausgerichtet auf das spezielle Denk- und Problemlöseverhalten intellektuell hoch begabter Grundschüler. Dieses zeichnet sich im Unterschied zu dem durchschnittlich Begabten durch folgende Befunde
aus:
Intellektuell hoch begabte Kinder ...
Neigen eher zu individualisierenden Arbeitsformen.
Erlernen das Neue besser durch Verstehen der zugrunde liegenden allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, als durch häufiges Wiederholen.
Interessieren sich eher für die Tiefe als für die Breite eines Themas.
Sind in allen Faktoren wie Wissen, Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, Strategien sowie Erkennen abstrakter Relationen leistungsfähiger.
Wenden eher Strategien an, greifen schneller auf Erinnerungsstrategien zurück und haben eine größere Anzahl von Gedächtnisstrategien.
Können trainierte Strategien besser auf neue Aufgabenklassen übertragen.
Verwenden komplizierte Regeln und lernen neue Regeln schneller.
Sind effizienter im Umgang mit Neuartigem.
Diesen besonderen Fähigkeiten intellektuell hochbegabter
Kinder kommt eine Arbeitsgemeinschaft z.B. dann entgegen, wenn in der Planung und Durchführung folgende didaktisch-methodische Elemente Berücksichtigung finden:
- Klare Problemstellung bzw. Fragestellung
- Raum für die Entwicklung individueller Lösungsmöglichkeiten
- Präsentation und Diskussion verschiedener Lösungsansätze
- Induktive Erschließung allgemeiner Gesetzmäßigkei
Lehrpersonal:
Der Lehrerpersönlichkeit kommt für die Förderung intellektuell hoch begabter Kinder eine besondere Bedeutung zu. Dies betrifft die beruflichen und fachlichen Kompetenzen ebenso wie die persönlichen und psychischen Eigenschaften.
Die Erfahrungen zeigen, dass ohne hohe fachliche Qualifikation und ohne die umfassende Kenntnis der Verfahren und Ziele des innovativen Denkens und Lernens keine Förderung der hoch begabten Schülerinnen und Schülern erfolgreich sein kann. Die Fähigkeit zu Selbstkritik und zu realistischer Selbsteinschätzung der eigenen Leistung, aber auch zu systematischem und zielstrebigem Denken und die Kenntnis effizienter Arbeits- und Lerntechniken sind weitere wichtige Voraussetzungen.
Die AG-Leiter und Leiterinnen sowie die Leiter und Leiterinnen der Veranstaltungen des Rahmenprogramms sollen im Besonderen-
- über eine hohe fachliche Qualifikation verfügen und
mit den neueren Entwicklungen im Bereich der Hochbegabtenpädagogik vertraut sein. - Methoden und Materialien für Hochbegabte entwickeln können.
Fähig und bereit sein, autodidaktisches Lernen zu vermitteln und zu fördern. - sich auf spezielle Denkansätze und ungewöhnliche Lösungswege einlassen können.
- in der Lage sein, ihren Unterricht den spontanen Fragen und Interessen der Kinder anzupassen.
- imstande sein, die Anwendung kognitiver Denkstrategien und anspruchsvoller Fragen zu fördern.
- durch das Schaffen geeigneter Lerngelegenheiten das selbstständige Lernen und Arbeiten der Hochbegabten fördern können.
- individualisierten Unterricht (Binnendifferenzierung) durchführen zu können.
- über praktische Unterrichtserfahrung verfügen, nach Möglichkeit unter Supervision.
Als Lehrpersonal der KIAK MA dienen in erster Linie geeignete Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten. Daneben
können auch andere Fachkräfte, die einen Beitrag zur Förderung der besonderen Fähigkeiten hochbegabter Kinder leisten können, eingesetzt werden. Die Eignung zum AG-Leiter bzw. zur AG-Leiterin stellen
die Geschäftsführung und Vertreter der Planungsgruppe fest.
Evaluation
Die Arbeit der KIAK MA unterliegt einer kontinuierlichen formativen Selbstevaluation. Eine wissenschaftliche
Fremdevaluation wird an externe Institutionen übertragen.
Geschäftsführung
Geschäftsführerin der KIAK MA ist Frau Schulamtsdirektorin Nanni Kaiser.
Leitungsteam
Die Leitungsteam berät und beschließt über alle wichtigen Angelegenheiten der KIAK. Den Vorsitz des Leitungsteams
hat die Geschäftsführung der KIAK inne.
Die Mitglieder der Leitungsteams weisen sich durch besondere Erfahrung in der Arbeit mit intellektuell hochbegabten Grundschulkindern aus, z.B. als AG-Leiter oder als pädagogisch-psychologische
Berater.
Mitwirkung der Eltern
Die Eltern der einzelnen Arbeitsgemeinschaften wählen jeweils einen AG- Elternvertreter. Die AG- Elternvertreter bilden den Elternbeirat der Kinderakademie Mannheim, dessen Aufgabe in der Beratung und Unterstützung der Geschäftsführung und des Leitungsteams besteht.
Geschäftsstelle
Staatliches Schulamt
Augustaanlage 67
68165 Mannheim
Kuratorium
Das Kuratorium ist besetzt mit Vertretern der Stadt Mannheim als Träger, des Landes Baden-Württemberg, vertreten durch das Oberschulamt Karlsruhe, sowie Persönlichkeiten aus Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft.
Rechtsform
Die KIAK MA wird getragen von einer rechtlich unselbstständigen Stiftung. Träger ist die Stadt Mannheim
Kinderakademie-Mannheim
